Stativgewinde

Ob auf der Bühne oder im Studio – ein Mikrofon muss auf einem Stativ befestigt werden können. Folglich gibt es zu fast jedem Mikrofon auch einen Mikrofonhalter mit Stativgewinde. Und da gehen die Probleme los: Es gibt kein einheitliches Stativgewinde!

Bevor ich zu den Stativgewinden komme, müssen wir uns erst einmal allgemein mit der Bezeichnung von Gewinden befassen. Und da wird unterschieden zwischen metrischen Gewinden und Zoll-Gewinden. Deren Bezeichnungen möchte ich anhand von Beispielen erklären.

Metrische Gewinde werden in Deutschland und praktisch auf der ganzen Welt verwendet. Ein Beispiel für die Bezeichnung eines metrischen Gewindes:

M12X1,75

Zoll-Gewinde werden in Großbritannien und in den USA verwendet. Es gilt: 1 Zoll = 25,4 mm. Ein Beispiel für die Bezeichnung eines Zoll-Gewindes:

3/8“-16G

Welche Gewinde kommen nun bei Mikrofonhaltern bzw. Stativen vor? Die wichtigsten möchte ich im Folgenden vorstellen.

1/4"-20G (D = 6,35 mm)

Dieses Gewinde ist das Standardgewinde für Kamerastative. Bei Mikrofonhaltern kommt es nur vor, wenn es sich um Mikrofonhalter für Kameras handelt. So besitzen z. B. häufig Mikrofonhalter für Blitzschuhmontage auf der Unterseite ein 1/4"-20G-Gewinde, sodass sie auch auf ein Kamerastativ geschraubt werden können.

Bei diesem Gewinde kann es sich entweder um ein britisches BSW-Gewinde (British Standard Whitworth) oder ein US-amerikanisches UNC-Gewinde (Unified National Coarse) handeln. Diese beiden Normen unterscheiden sich zwar genau genommen durch den Flankenwinkel: Beim BSW-Gewinde beträgt er 55°, beim UNC-Gewinde 60°. Die Gewindegänge sind damit beim UNC-Gewinde nicht ganz so tief wie beim BSW-Gewinde. Infolge der üblichen Toleranzen sind die Gewinde aber im Hinblick auf die Anwendung als Stativgewinde kompatibel.

3/8"-16G (D = 9,53 mm)

Dieses Gewinde (BSW oder UNC) war nach dem zweiten Weltkrieg Standard bei den großen auf dem deutschen Markt agierenden Mikrofonherstellern (AKG, Beyerdynamic, PHILIPS, Sennheiser). König & Meyer, der bedeutendste Hersteller von Mikrofonstativen in Deutschland, verwendet es noch heute. Es ist im Hinblick auf die Handhabung deutlich unproblematischer als die 5/8“-Zoll-Feingewinde, weil diese durch schiefes Ansetzen leicht beschädigt werden.

1/2"-12G (D = 12,70 mm)

Dieses Gewinde entspricht der BSW-Norm und wurde in der DDR generell für Mikrofonstative verwendet.

5/8"-27G (D = 15,88 mm)

Dieses Gewinde ist ein Feingewinde und entspricht der USA-Norm UNS (Unified National Special). Es ist das US-amerikanische Standard-Stativgewinde und wurde bzw. wird verwendet z. B. von Shure, Electro Voice, American Microphone Company, Astatic, Turner und den meisten fernöstlichen Herstellern. In Europa war es in den 1950er Jahren zu finden bei den Mikrofonen von Ronette aus Holland und den Mikrofonen von Peiker und F&H Schumann aus Deutschland.

5/8"-24G (D = 15,88 mm)

Dieses Gewinde entspricht der USA-Norm UNEF (Unified National Extra Fine). Es besitzt eine geringere Gangzahl (also eine etwas größere Steigung) als das amerikanische Standard-Stativgewinde. Es wurde z. B. von der Firma Western Electric/Altec verwendet. Versucht man, ein 24G-Gewinde mit einem 27G-Gewinde zu verschrauben, so klemmt es nach wenigen Gewindegängen. Die Gewinde sind also nicht kompatibel.

M12 x 1,75 (D = 12,00 mm)

Dieses Gewinde findet sich in den Mikrofonhaltern älterer französischer Mikrofone.

Praktische Handhabung

Stative besitzen heute entweder ein 3/8"-16G-Gewinde (wenn es sich um ein deutsches Stativ handelt) oder ein 5/8"-27G-Gewinde (wenn das Stativ aus Fernost kommt). Wenn mein Mikrofonhalter ein anderes Gewinde hat, benötige ich einen Gewinde-Adapter. Die gibt es bei den angesagten Musikhäusern in vielen Varianten (bis auf 5/8"-24G- und M12X1,75-Gewinde) zu kaufen.

Die Mikrofonhalter der meisten Mikrofone sind heute mit einem 5/8"-27G-Gewinde versehen. Bei deutschen Mikrofonen wird generell ein Adapter auf 3/8"-16G mitgeliefert.